Zeitungsbericht im GEA vom 07.09.2017

NECKAR + ERMS

KUNSTHANDWERK – Die Familie Kröner frönt ihrem gemeinsamen Hobby auf der Höhe über Wannweil 

Vom Holzblock zur Skulptur

VON MARGRET RILLING

WANNWEIL Michelangelo wurde einst gefragt, wie er eine so wunderschöne Statue wie den David erschaffen konnte. Der Künstler erklärte das so: »David war schon vorher im Block da. Ich musste lediglich den überflüssigen Marmor um ihn herum entfernen.«

Der 17-jährige Wannweiler Vincent Kröner, der wie sein Bruder Patrick und Vater Bodo Kröner dekorative Holzskulpturen fabriziert, sieht das grad so. Sie wiederum entfernen lediglich das überflüssige Holz. »Wir befreien die Skulpturen aus dem Stamm«, sagt er lachend.

»Wir befreien die Skulpturen aus dem Stamm«

Vor einigen Jahren hat sein 28-jähriger Bruder Patrick – beruflich als Landschaftsgärtner tätig – das Hobby für sich entdeckt. Auch Bruder Vincent und Vater Bodo steckte er rasch damit an.

Etwa dreimal im Monat – immer am Samstag – treffen sich die Kröners auf einem gepachteten Grundstück auf der Höhe von Wannweil, rechts von der Straße nach Degerschlacht, um alle möglichen Figuren, meistens gegenständlicher Art, zu fabrizieren. Im Klein-, wie auch im XXL-Format: Bären, Eber, Eulen oder auch Herzen. Was eben so gefällt. Manches konnten sie schon an den Mann bringen: »So ein Hobby muss ja auch finanziert werden«, sagt Bodo Kröner. Vor allem sei es jedoch der Spaß am kreativen Tun, der sie bewegt: »Aber natürlich auch das Endergebnis.«

Holz sei in jedem Fall ein faszinierender Werkstoff. Der ihnen auch immer wieder mal angeboten werde. Wie von einem freundlichen Nachbarn, der erklärte: »Ich sollte da eine Tanne weg haben, die könnt ihr gern haben.«

Ob da bei den ersten Versuchen mit der Kettensäge nicht zunächst auch statt dekorativen Figuren Brennholz entstanden ist? Aller Anfang ist schließlich schwer? »Man wächst mit seinen Aufgaben«, sagt Patrick Kröner.

Sicher sei es grundsätzlich sinnvoll, da erst mal Kurse zu besuchen. Sie selbst haben es »learning by doing« in Angriff genommen. »Da sind wir eben Naturtalente«, sagen sie lachend. Die Kröners zeigen Interessenten gern, wie es gemacht wird: »Wir bringen auch zusätzlichen Gehörschutz mit, wenn sich Besuch ankündigt.« Keine Frage: Das Schnitzen mit der Kettensäge ist ein dezibelstarkes Hobby. »Leider können wir es deshalb auch nur samstags betreiben.« Für ihr kreatives Tun an Sonntagen fehlt ihnen eine Scheuer zum Lärmschutz – möglichst nicht in unmittelbarer Ortsnähe: »Dann wären wir auch nicht so sehr von der Witterung abhängig.«

Grundsätzlich seien sie jedoch gern im Freien kreativ tätig: »Wir genießen hier auch den schönen Blick auf den Albtrauf«, sagt Bodo Kröner. Sarah Dengler, Kunsthistorikerin in Tübingen, eine Bekannte der Familie, ist gern mit dabei.

»Das ist kein Elefant, sondern eine Wildsau«

Vom Hobby des Kettensägen-Trios ist sie begeistert: »Das ist schon eine eindrucksvolle Verbindung von Kunst und Handwerk.« Aber selbst sei sie noch nicht so weit, sich an die Kettensäge zu wagen. »Das kommt vielleicht noch.«

Dass das kunsthandwerkliche Arbeiten mit der Kettensäge inzwischen keine Männerdomäne mehr sei, betont Patrick Kröner: »Weltweit bekannt ist die 37-jährige Amerikanerin Griffon Ramsey mit ihren Holzskulpturen.« Neulich haben sich die Kröners amüsiert: »Ach, Sie schnitzen auch Elefanten«, sagte eine Spaziergängerin und deutete auf eine Figur. »Das ist aber kein Elefant, sondern eine Wildsau«, musste da Bodo Kröner erklären. Was eigentlich – das muss man gar nicht erst betonen – völlig klar ersichtlich war.

Gerade Tierfiguren seien besonders gefragt. Aber auch Säulen sind schon entstanden oder auch mal abstrakte Objekte. Die Kröners sind jedenfalls überzeugt: »Frisch geschnitzt sind alle Figuren zwar auch schön. Aber erst mit der Zeit erhalten sie durch die Patina einen ganz besonderen Charakter und auch ihren Charme.,« Das verstärke sich sogar noch, wenn das Holz reiße.

Grundsätzlich könnten die filigran mit der Kettensäge gestalteten Figuren im Garten oder auf der Terrasse aufgestellt werden, mit Leinölfirnis werden sie wetterfest gemacht. Ideal sei ein überdachter Platz, etwa in einem Wintergarten. Im nächsten Jahr planen die Kröners, die auch bereits zu Dorffesten eingeladen wurden, einen Tag der offenen Tür auf dem Grundstück nach Absprache mit dem Wannweiler Rathaus. Wer schon vorher mal vorbeikommen will, kann sich telefonisch um einen Besuchstermin bemühen. (GEA)

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